Lesen - Aufwärmen
DURATION: 10-15 MINS
This first step is not about understanding much at all. This is your very first exposure to the text and the sound of German words. Just take everything in. Don't worry about not getting a single word even. This course will take care of all that as you proceed. Do not look up any word yet. All you got to do is to listen to the audio while reading along. The first 1-2x times that you listen to the audio, you can and possibly also should pause the audio very frequently to give your brain some time to take in the new information. Finish this exercise by listening through the full audio without pausing no matter whether you understand anything.
AUDIO
Routine
Menschen ohne Routinen gibt es nicht. Wer das behauptet, der ignoriert die Realität. In den meisten Fällen sind sie uns in Fleisch und Blut übergegangen, so dass wir nicht einmal merken, dass es sich um routinierte Aktivitäten handelt. Auf ihre Routinen angesprochen, reagieren die meisten Menschen mit einem verhaltenen Lächeln oder wechseln das Thema.
Vor allem die Routine am Arbeitsplatz hat einen negativen Touch, da sie meist mit Langeweile, Monotonie und Abwechslungsarmut assoziiert wird. Die Vorstellung, so zu arbeiten, erscheint den meisten Menschen nicht erstrebenswert, im Job möchte man doch lieber vor geistige Herausforderungen gestellt werden oder zumindest Abwechslung und Spaß haben. Betrachtet man die Routine jedoch von der betriebswirtschaftlichen Seite, so fällt die Bilanz erstaunlich positiv aus. Indem zu erledigende Aufgaben in einer festgelegten Reihenfolge schlichtweg abgearbeitet werden, ohne die Ordnung täglich neu festlegen zu müssen, spart man Zeit, macht weniger Fehler und arbeitet insgesamt sehr effizient. Durch solche Routinen schafft man auch Räume für Kreatives, das uns am Ende des Tages wichtig ist und in Erinnerung bleibt. Dass die Routine eine durchaus positive Komponente enthält, sieht man am Beispiel des Wortes „routiniert“. Hat man im Beruf einen Auftrag routiniert ausgeführt, erntet man meist Anerkennung und Bewunderung für persönliche Fähigkeiten, gepaart mit langjährigen Erfahrungen – beides hoch geschätzte Qualifikationen.
Dagegen sind die Routinen im Alltag im Vergleich dazu weniger spektakulär, weil sie oft ohne Außenstehende vollzogen werden. Jedoch haben auch sie einen unschätzbaren Wert, sie schaffen nämlich einen geregelten Ablauf. Dabei geht es grundsätzlich darum, das eigene Handeln nicht permanent hinterfragen zu müssen und eine feste Struktur zu etablieren, dank derer bestimmte Aktivitäten, die einem schwerfallen, als weniger unangenehm empfunden werden. So eignet sich beispielsweise ein Wochenplan mit festen Zeiten für eine sportliche Betätigung hervorragend, um die eigene Faulheit zu überwinden und tatsächlich regelmäßig Sport zu treiben. Grundsätzlich spielt es keine Rolle, welche Aktivitäten auf die Agenda kommen, allerdings sollte man bei schlechten Angewohnheiten aufpassen: Während gegen ein wöchentliches Biertreffen mit Freunden nichts einzuwenden wäre, sollte man beim Zigarettenkonsum vorsichtig sein. Ein weiterer Punkt ist, Routinen trotz all ihrer Attraktivität mit einem realistischen Auge zu betrachten und sie mit Bedacht in den Alltag zu integrieren. Sich zu hohe Ziele zu stecken oder den Tag von morgens bis abends mit routinierten Tätigkeiten vollzustopfen, ist nicht Sinn der Sache. Das Motto soll lauten: Routine ist gut und nützlich, aber zu viel Routine macht das Leben anstrengend und öde. Nicht ohne Grund geben Alleinerziehende, die neben dem Job auch noch die Haushaltsarbeit bewältigen müssen, in allen Umfragen die alltägliche Routine als Belastung Nr. 1 an.
Ähnlich wie Denkgewohnheiten und Gefühlgewohnheiten laufen auch Verhaltensgewohnheiten im Gehirn nach dem gleichen Muster ab: Bereits nach einigen Malen bilden sich feste Strukturen, weil das Gehirn durch Routinen viel weniger Energie für den Stoffwechsel benötigt. Dagegen interpretiert es jede neue Handlung, für die zusätzlich die Großhirnrinde aktiviert werden muss, als Energieaufwand. Folglich wird jede unnötige Konzentration vom Gehirn als Energieverschwendung eingestuft und daher abgelehnt. Unser Gehirn trickst uns sogar aus, indem es beim Vollzug routinierter Handlungen Botenstoffe ausschüttet, die uns dafür belohnen. Durch eine geringere Beanspruchung des Arbeitsgedächtnisses, wo sich die Großhirnrinde befindet, ist unser Gehirn weniger störanfällig. Routinierte Handlungen mögen monoton sein, aber sie verschaffen dem menschlichen Körper als eine Art Stand-by-Modus die nötigen Leerläufe, die für Höhenflüge und geistige Blitze unentbehrlich sind.
Auf unseren Arbeitsalltag übertragen, könnte dies bedeuten, dass wir für routinierte Handlungen weniger Energie aufwenden müssen und gleichzeitig das Fehlerrisiko minimieren. Es lohnt sich also schon! Gerade an „faulen Tagen“ oder wenn es einem körperlich nicht so gut geht, sind wir dankbar dafür, dass wir nicht viel nachdenken, planen oder organisieren müssen. Die Wohltat der Routinen spüren wir unbewusst, ohne dass wir sie uns wissenschaftlich erklären müssen, weil wir mit wenig Aufwand gut durch den Arbeitstag kommen und zusätzlich mit einem positiven Gefühl belohnt werden. Auch im häuslichen Alltag bescheren uns Routinen eine entspannte Haltung, weil sie Sicherheit und Orientierung und somit mehr Halt mit sich bringen. Zusammen mit der Zeitersparnis ermöglicht uns das wiederum, mehr Energie für neue Herausforderungen einzusetzen.